Island mag sich offiziell Beitrittskandidat nennen und addiert sich auf diese Weise zur Türkei, FJR Mazedonien und Kroatien. Aber was wissen wir eigentlich über die Insel, die so dicht am Nordpolarkreis liegt? Dass Island ein launisches Paradies inmitten des Nordatlantiks ist, ist allseits bekannt. Dass dort ein Übermaß an heißen Quellen, Vulkanen und Geysiren die Landschaft zieren, ist ebenso wenig ein Geheimnis. Und jeder kennt natürlich auch den kleinen Schatz an außergewöhnlichen Musikern, die das Eiland hervorgebracht hat, wie zum Beispiel Björk, Emiliana Torrini und Sigur Rós. Aber Island hat noch mehr außergewöhnliche Seiten.

Unabhängigkeit
Die isländische Bevölkerung schirmt schon seit der ersten Kolonisierung im neunten Jahrhundert ihr Land und ihre Kultur stark ab. Isländer sind das europäische Volk schlechthin, das am härtesten auf Unabhängigkeit und Selbstversorgung pocht. Das Eurobarometer gab im Jahre 2005 noch an, dass 85% der isländischen Bevölkerung ihre Unabhängigkeit als „grundlegend” ansehen. Das im Vergleich mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, in denen im Jahre 2005 durchschnittlich nur die Hälfte der Bevölkerung wirklich Interesse an der Autonomie hatte.
Identität
Isländer sind darüber hinaus ein sehr stolzes Volk, das seine Verbindungen mit der Wikinger-Geschichte noch immer im Herzen trägt. Das Isländische unterscheidet sich wenig vom Altnordischen, das die Wikinger sprachen, als sie die Insel zum ersten Mal betraten. Auch ihre Verbindung mit der Natur und ein wenig ungewöhnliche Gebräuche finden noch heute ihre Wurzeln in der alten Wikingerkultur.
Eigenart
So erhält die EU mit Island als möglichem zukünftigen Mitgliedstaat vielleicht eine sehr einzigartige Bevölkerungsgruppe dazu: Das Huldufólk. Es geht hierbei um eine bizarre isländische Minderheit: Das Huldufólk sollen eine Art Elfen sein. Isländer sind jedenfalls ein sehr abergläubisches Volk. Obwohl der Glauben an das Übernatürliche in den 1960er Jahren stark abnahm, scheint bei den jüngeren Generationen doch wieder eine Zunahme im Gange zu sein. So glaubt die Mehrheit der isländischen Bevölkerung, dass das Huldufólk wirklich besteht oder sie können die Möglichkeit seines Bestehens nicht leugnen. Dieser Glaube an übernatürliche Kräfte und Wesen geht aus der festen Verbindung hervor, welche die Isländer mit der Natur haben, die in Island viel hervorstechender anwesend ist als in vielen anderen Mitgliedstaaten der EU.
Progressivität
Und doch kann man Isländern unmöglich ein konservatives oder altmodisches Naturell vorwerfen. Das Land steht jedenfalls weit vorn auf der Rangliste, was die Gleichstellung der Geschlechter und die Rechte der LGBT (Homosexuelle, Lesben usw.) betrifft. Es hat auch die umfassendste und fortschrittlichste Gesetzgebung in Bezug auf Kinderschutz. Es ist isländischen Eltern nicht nur per Gesetz verboten, ihren Kindern einen Klaps zu geben, Kindern verbal eine Standpauke zu halten geht ebenso wenig an.
Wenn Island sich in Zukunft Mitglied der EU nennen darf, wird es in jedem Fall ein Stückchen besonderer Einzigartigkeit aus dem Norden zum Club der 27 beitragen.