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Minister Vandeurzen zur EU-Ratspräsidentschaft

Aktuelles - 19/08/2010 Von tristan.hoorelbeke

Als flämischer Minister für Wohlfahrt, Volksgesundheit und Familie hat Jo Vandeurzen keinen Vorsitz einer Ratsformation. Dennoch will er den Schwung der belgischen EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um eine Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg im Pflegesektor zu fördern.

Welche Aufgaben werden Sie während der EU-Ratspräsidentschaft übernehmen?

Es gibt fünf wichtige Gebiete, auf denen wir durch Erfahrungsaustausch und Dialog zu einer besseren Zusammenarbeit kommen werden:Armut, forensische Psychiatrie, Jobs im Pflegesektor, Familienpflege und Personen mit Behinderung.

So führen wir u. a. die Konferenz Für die Familienpflege sorgen durch, bei der wir alle europäischen Akteure versammeln wollen, um über aktuelle Themen zu diskutieren. In meinem politischen Programm habe ich bereits angegeben, dass Familienpflege für mich eine sehr wichtige Form der Pflege ist. Für 2012 strebe ich einen Familienpflegeerlass an, der für alle Sektoren gilt.

Ein anderes wichtiges Problem ist die Frage, wie wir ausreichend qualifizierte Arbeitnehmer finden können, um die zunehmende Nachfrage im Pflege- und Gesundheitssektor zu befriedigen. Die Europäische Kommission hat kürzlich in einem Grünbuch das Ergebnis der Konsultationen zu diesem Thema veröffentlicht. Ich selbst habe vor Kurzem den Aktionsplan „werk maken van werk in de zorgsector (NL)“ gestartet. Wir organisieren ebenfalls eine Konferenz zum Thema “Health Workforce”, die auf die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit und eines innovativen Ansatzes in Europa zum Thema Beschäftigung im Pflegesektor fokussieren wird.

Um den Austausch wissenschaftlicher Kenntnisse und bewährter Verfahrensweisen auch auf anderen Gebieten anzuregen, organisieren wir noch zwei weitere Konferenzen. Da ist zum einen die Konferenz über forensische Psychiatrie, ferner die Konferenz über die sozialen Gesundheitsdeterminanten, bei der wir gleichzeitig Personen mit Behinderung und der Armutsproblematik besondere Aufmerksamkeit beimessen werden. Wir nehmen das Thema während der EU-Ratspräsidentschaft unter die Lupe, weil dieses Jahr auch das Europäische Jahr der Armut und sozialen Ausgrenzung ist.

Welchen Einfluss hat die Europäische Union auf Ihre(n) Politikbereich(e)?

Die Europäische Union greift immer stärker in unseren Alltag ein und das ist im Gesundheits- und Wohlfahrtsektor nicht anders. Europa hat das Ziel, die Kohäsion der Sozialpolitik der verschiedenen Mitgliedstaaten immer mehr zu steigern.

In der Europa 2020-Strategie für mehr Beschäftigung und Wirtschaftswachstum wird dem sozialen Aspekt der Krise und der Beschäftigung ebenfalls besondere Aufmerksamkeit beigemessen. So wurden u. a. Ziele für Armut und soziale Integration in die Strategie aufgenommen.

Die Europäische Union hat großen Einfluss auf die Politik der föderalen Ministerin für Volksgesundheit Laurette Onkelinx. Ich bin vor allem für Gesundheitsprävention zuständig und auf diesem Gebiet ist der Einfluss der Europäischen Union eher begrenzt. Europa sorgt vor allem für koordinierende Aktivitäten, bei denen die europäische Ebene einen Mehrwert bieten kann, etwa die Erfassung und Verbreitung von Information während einer Grippepandemie. Ferner gibt es etliche konkrete Empfehlungen zur Volksgesundheit, die Flandern für seine eigene Politik nutzt, etwa auf dem Gebiet des Krebsscreening.

Daneben gibt es auch das Europäische Volksgesundheitsprogramm (EN), das neben der Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten und Regionen auch den Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiet der Prävention fördert. Auf diese Weise helfen sie den Mitgliedstaaten bei der Ausführung der europäischen Richtlinien.

Schließlich haben natürlich auch europäische Vorschriften aus anderen Bereichen wie dem Binnenmarkt einen erheblichen Einfluss auf die Organisation des Pflege- und Gesundheitssektors. Ein Beispiel hierfür ist die europäische Dienstleistungsrichtlinie, die Einfluss auf eine Reihe Dienstleistungen in der Altenpflege und in der Kinderbetreuung hat. Die Dienstleistungsrichtlinie regelt unter anderem, welche Genehmigungen wir als flämische Regierung verlangen können.

Welchen Durchbruch in Ihrem/Ihren Politikbereich(en) würden Sie gerne auf europäischer Ebene erzielt sehen?

Ein sehr wichtiges Projekt in unserem Politikbereich ist Flanders' Care. Das ist ein ehrgeiziges Projekt für Innovation und Unternehmertum im Pflegesektor, das zu einer hochwertigen Pflege und einer gezielten wirtschaftlichen Entwicklung beitragen soll.

Die Überalterung und die technologische Entwicklung stellen große Herausforderungen im Pflegesektor dar. Flanders’ Care stellt sich diesen Herausforderungen und will Flandern als internationale Spitzenregion auf dem Gebiet der Pflege positionieren.

Flanders’ Care bringt die Akteure des Pflegesektors zusammen, die am meisten von Innovation betroffen sind. Die Zusammenarbeit zwischen Pflegeeinrichtungen, Ausbildungseinrichtungen und Unternehmen soll praxisorientierte Lösungen bringen. Zu den wichtigen Themen gehören: Assistive Technologie, Telemedizin, Pflege-ICT, translationale Medizin, Diagnostik/Bildgebung und Nachhaltigkeit.

Wie sehen Sie die Zukunft der Europäischen Union?

Ich glaube, dass die Teilstaaten mehr direkte Mitsprache in der Europäischen Union erhalten sollten. Dieses Ziel steht auch der Regierungsvereinbarung der flämischen Regierung (NL).

Welches ist Ihr Lieblingsreiseziel in Europa?

Ich liebe die schönen europäischen Städte wie Florenz, die nicht nur sehr schön sind, sondern auch eine Geschichte erzählen und jedes Mal etwas Neues von sich preis geben. Italien zieht mich auch sehr an wegen seiner Küche und den leckeren Weinen an.

Im Übrigen bin ich auch sehr gerne bei uns an der Küste. Ich gehe spazieren, laufe und fahre mit dem Rad und dazu hat man dort reichlich Gelegenheit.


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Kontaktpersonen

  • Leo De Bock

    Sprecher minister Vandeurzen
    leo.debock@vlaanderen.be
    +32 (0) 2 552 64 49
    +32 (0) 475 92 42 89

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