Konferenz über Biodiversität will europäisches Statement für Nagoya
"Bei Biodiversität geht es um unser Leben. Die Natur liefert dem Menschen Dienste und diese Dienste müssen wir gewährleisten". Joke Schauvliege, Vorsitzende des Umweltrates nimmt kein Blatt vor den Mund: der Rückgang der Biodiversität muss gestoppt werden. Sie hofft, dass die Teilnehmer der europäischen Konferenz über Biodiversität in Gent diese Botschaft auch an das Gipfeltreffen folgenden Monat in Nagoya (Japan) mitgeben werden.
Warum ist Biodiversität eigentlich so wichtig?
Schauvliege: Biodiversität ist die Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Vergleichen Sie es mit einem enormen und komplexen Webstuhl, der Tiere, Pflanzen und Menschen miteinander verbindet. Wenn ein Faden wegfällt, kann dass unbeschreibliche Folgen haben, und im schlimmsten Fall das ganze Bauwerk in Gefahr bringen. Es geht also um mehr als um "Blümchen und Bienen". Biodiversität geht um unser Leben.
Wir "genießen" die Natur, auch in dem Sinne, dass die Natur dem Mensch Dienste liefert. Diese Ökosystemdienste müssen wir gewährleisten. Wenn für ein bestimmtes Medikament oder einen Nährstoff eine Pflanze notwendig ist, die auszusterben droht, müssen wir eingreifen. Und rasch, denn wenn wir dem Rückgang der Biodiversität nicht Einhalt gebieten, bezahlen wir als Gesellschaft später die Rechnung dafür. Auch buchstäblich.
Denken wir beispielsweise an den Eichenprozessionsspinner. Diese Raupe hat einen natürlichen Feind, die Schlupfwespe. Wenn die Schlupfwespe verschwindet, hat der Eichenprozessionsspinner in kürzester Zeit freie Bahn, und es würde uns einiges kosten, um ihn im Zaum zu halten.
Glücklicherweise schließen sich die Behörden immer mehr mit Naturvereinigungen, Landwirten, Unternehmen, lokalen Behörden und anderen Partnern zusammen.
Im Oktober treffen Regierungsleiter aus der ganzen Welt in Nagoya (Japan) zusammen und sprechen über Biodiversität. Was wird dort genau passieren?
Schauvliege: Bei der 10. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über Biodiversität muss die Welt eine neue Vision, Zielsetzungen und einen strategischen Plan für die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der Biodiversität festlegen. Im Jahr 2001 setzten sich die europäischen Länder ein, um den Niedergang der Biodiversität bis 2010 zu stoppen. Trotz erheblicher Anstrengungen wurde dieses Ziel nicht erreicht.
Dies ist eine ernüchternde Feststellung, aber 2010 ist auch das Jahr, in dem die internationale Gemeinschaft in Nagoya bestätigen möchte, dass wir es besser machen möchten und werden. Vergessen Sie nicht, dass der Verlust von Biodiversität häufig noch ärgere Folgen in Entwicklungsländern hat (Entwaldung, Wüstenbildung, …).
Am Ende der Konferenz werden die Teilnehmer eine "Message from Ghent" für Nagoya formulieren. Was hoffen Sie, dass in dieser Botschaft stehen wird?
Schauvliege: Die EU hat ihre Position bereits in den Schlussfolgerungen des Rates vom 15. März festgelegt und diese wurden in der 2020-Strategie für Europa bestätigt. Die Ambition ist nicht gering: Europa möchte den Rückgang an Biodiversität und Ökosystemdienste bis 2020 stoppen, eventuellen Schaden so viel wie möglich wieder herstellen und seinen Beitrag erhöhen, um den weltweiten Verlust an Biodiversität zu bekämpfen. Diese europäische Haltung möchte ich als EU-Vorsitzende für Umwelt in der "Message from Ghent" – einem europäischen Statement für Nagoya – ausbauen. Diese Konferenz in Gent bietet allen Beteiligten die Chance, die Herausforderungen, die Alternativen und die Lösungen noch einmal zusammenzufassen.
Versuchen Sie in Ihrem täglichen Leben auch, Ihren Beitrag zur Aufrechterhaltung der Biodiversität zu leisten?
Schauvliege: Absolut. Biodiversität ist besonders faszinierend, weil sie so greifbar ist. Es beginnt im eigenen Garten, auf der Terrasse, in der Klasse, auf der Wiese …. Mit kleinen, manchmal unscheinbaren Eingriffen. Ein Schmetterlingsflieder zieht Schmetterlinge an, eine Holzwand ist ein Paradies für Vögel, genauso wie ein Komposthaufen für Insekten. Und das Tolle ist, dass man mit all diesen Dingen Kinder neugierig macht. Aber Biodiversität bezieht sich auch auf den Kauf lokaler Produkte im Geschäft. Wir haben also tagtäglich damit zu tun.