“Investieren in erneuerbare Energie ist Investieren in die Zukunft”

Als flämische Ministerin für Energie nimmt Freya Van den Bossche für Belgien am informellen Rat am 6. und 7. September sowie am formellen Rat am 2. Dezember teil. Dort tauscht sie mit ihren Ministerkollegen unter anderem Gedanken darüber aus, wie man Energiepolitik, die Energieinfrastruktur, den internen Energiemarkt und die Energieeffizienz konsumentenfreundlicher machen kann.
Van den Bossche: Vor allem im Hinblick auf Letzteres müssen wir das Tempo steigern. Ohne zusätzliche Maßnahmen wird die europäische Zielsetzung von 20 Prozent Energieeinsparung bis 2020 nicht erreicht werden, während Energiesparen für mich eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen Energiearmut ist. Der Vorsitz ist für uns eine einzigartige Chance, der Energiepolitik einen kräftigen neuen Impuls zu geben.
Darüber hinaus freue ich mich auf die Konferenz über Biomasse am 29. und 30. November. Dies ist eine Energiequelle, die äußerst wichtig ist, um die regionalen und föderalen Zielsetzungen in Bezug auf erneuerbare Energie bis 2020 zu erreichen. Ich hoffe auf eine konstruktive Debatte, die unter anderem Klarheit über die Einführung möglicher Nachhaltigkeitskriterien, Möglichkeiten zur Steigerung der lokalen Produktion von Biomasse und über deren optimale Nutzung schaffen wird.
Welchen Einfluss hat die Europäische Union auf Ihre politischen Bereiche?
Sicherlich im politischen Bereich Energie darf die Wirkung der Europäischen Union nicht unterschätzt werden. Die Europäische Union legt den Funktionsrahmen für den Energiemarkt nahezu vollständig fest und zeichnet die Leitlinien vor, innerhalb der Flandern an einer Politik rund Energiesparen und erneuerbarer Energie arbeitet. Aber das bedeutet viel mehr als Ziffern auf eine Anzeigetafel zu schreiben. Eine tatkräftige europäische Energiesparpolitik wird jeder Europäer fühlen. In seinem eigenen Geldbeutel, aber auch allgemeiner auf der Ebene unseres wirtschaftlichen Wohlstandes.
Welchen Durchbruch in Ihren politischen Bereichen würden Sie gerne auf europäischer Ebene realisiert sehen?
Als flämische Ministerin für Wohnbau möchte ich das Recht auf erschwingliche und gute Wohnungen für möglichst viele Menschen verwirklichen. Aber gute Wohnungen bedeuten auch ordentlich isolierte und energiesparende Wohnungen. Vor kurzem haben wir in Flandern einen großen Schritt vorwärts gesetzt, indem wir die minimalen Wohnqualitätsnormen für Mietwohnungen mit Energienormen ergänzt haben. Es wäre ein enormer Durchbruch, wenn derartige Normen für Wohnqualität und Energiesparen überall in Europa gelten würden.
Wie sehen Sie die Zukunft der Europäischen Union?
Die Zukunft von uns allen ist unlöslich mit der Zukunft Europas verbunden. Es ist folglich äußerst wichtig, dass die Europäische Union eine gemeinsame, kräftige Politik konzipiert und auch konsequent ausführt. Sicherlich im Hinblick auf Energie. Investieren in erneuerbare Energie und Energiesparen heißt die Zukunft vorbereiten. Es ist ein Hebel gegen den Klimawandel, aber auch ein Motor für Innovation in unserer Wirtschaft und ein Katalysator für nachhaltige Arbeitsplätze.
Was ist Ihr bevorzugtes Reiseziel in Europa?
Am liebsten würde ich Europa auf 'langsame Manier' entdecken. Mit dem Zug zum Beispiel. Von Land zu Land. Und von Stadt zu Stadt, mit einigen Dörfern als Zwischenstationen. Das exakte Reiseziel ist dann eigentlich nicht so wichtig. Aber dazu braucht man Zeit. Viel Zeit. Und die habe ich jetzt zu wenig. Wenn ich ein Reiseziel wählen muss, dann ist es Porto. Ich habe schöne Erinnerungen an die Stadt, und es bleibt eine meiner europäischen Lieblingsstädte.