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Die Zukunft des europäischen Kinos in Mons diskutiert

Aktuelles - 07/07/2010 Von matthias.vanhentenryk

Am 5. und 6. Juli fand in Mons die erste offizielle Veranstaltung des Programms „Kultur und Audiovisuelles“ der belgischen Präsidentschaft des Rates der Europäischen Union statt, die von der Filmförderungsbehörde (CCA) der Französischen Gemeinschaft Belgiens ausgerichtet wurde.

Dabei empfing Fadila Laanan, Ministerin für Kultur, Audiovisuelles, Gesundheit und Chancengleichheit der Französischen Gemeinschaft und Präsidentin des Teils “Kultur” des Rates “Bildung, Jugend und Kultur” der Europäischen Union in diesem zweiten Halbjahr 2010 annähernd 150 Filmemacher, Produzenten, Autoren, Vertreter europäischer Institutionen, politische Beauftragte, Delegierte der Mitgliedstaaten und der verschiedenen Filmförderungsbehörden.
Unter anderem nahmen die Cineasten Luc und Jean-Pierre Dardenne sowie der Filmemacher und Vorsitzende der Gesellschaft des bürgerlichen Rechts der Autoren, Film- und Fernsehregisseure und Produzenten (ARP), Radu Mihaileanu, an den Arbeiten dieses Kolloquiums teil.

Thema der Diskussionen und des Gedankenaustauschs des Kolloquiums „Von der Richtlinie Audiovisuelle Mediendienste zur Mitteilung zur Filmwirtschaft: zu einem globalen und kohärenten Ansatz des europäischen Kinos“ war:

• Die Förderung europäischer Werke auf den VOD-Plattformen (Videos auf Nachfrage);
• Die Notwendigkeit öffentlicher Unterstützung in allen Phasen des Filmherstellungsprozesses von der Schaffung bis zum Vertrieb;
• Die Koexistenz, Komplementarität und Vielfältigkeit der verschiedenen Beihilfesysteme in Europa.


Die Förderung europäischer Werke auf den VOD-Plattformen ist von hoher Bedeutung

Die Richtlinie über die audiovisuellen Mediendienste (sog. SMA-Richtlinie) sieht ausdrücklich die Möglichkeit für die Mitgliedstaaten vor, Maßnahmen zur Förderung der Dienste auf Anfrage, zur Förderung des Inverkehrbringens und der Produktion europäischer Werke sowie für einen leichteren Zugang vor.
Das System Video auf Nachfrage (VOD) entwickelt sich rasch und ist ein wichtiges Instrument, die Werke bekannt zu machen und sie dem europäischen Publikum nahezubringen.

Wenn die Präsenz zahlreicher europäischer Filme auf diesen VOD-Plattformen eine Herausforderung darstellt, so wird man für die Förderung und die Nutzungsbedingungen dieser europäischen Werke auf den Plattformen kämpfen müssen, damit die europäischen Filmemacher ihr Publikum auf diesem neuen Medium finden.
In der Französischen Gemeinschaft Belgiens wird 2011 von der Aufsichtsbehörde für Rundfunk und Fernsehen (Conseil supérieur de l’Audivisuel – CSA) eine erste Evaluierung der Einführung dieses Dienstes vorgenommen.

 

Die Entwicklung des Kinos erfordert eine Anpassung der Regeln

Die sich stets weiter entwickelnde Filmwirtschaft erfordert eine konstante Anpassung der für sie geltenden Rechtstexte.

Deswegen muss die Mitteilung zur Filmwirtschaft, welche die von der Europäischen Kommission verwendeten Leitlinien zur Analyse der Kompatibilität der öffentlichen Filmförderstellen mit den Regeln des Gemeinschaftsrechts herausgibt und die Ende 2012 erneuert werden muss, diesem Wandel Rechnung tragen.

Öffentliche Förderungen für alle Phasen der Filmherstellung

Wenn der Großteil der bewilligten Fördermittel die Produktionsphase der Filme betrifft, so heben doch alle Fachleute hervor, dass man über eine Palette öffentlicher Beihilfen für alle anderen Phasen der Herstellung, des Vertriebs und der Nutzung verfügen sollte.

Denn jede Phase hat ihren Sinn, eine präzise Rolle und muss unterstützt werden. Die an jedes Glied des Prozesses der Herstellung und des Vertriebs angepassten staatlichen Maßnahmen werden den Erfolg des europäischen Kinos sicher stellen.

Komplementarität zwischen den verschiedenen Beihilfesystemen

Film- und Rundfunkwirtschaft haben nicht nur allein das Ziel des kulturellen Schaffens. Diese Industrie schafft zudem Arbeitsplätze und einen nicht unbeträchtlichen Mehrwert in der europäischen Wirtschaft.

In diesem Zusammenhang gilt es, günstige Entwicklungsbedingungen für die Filmwirtschaft zu schaffen. Eine breite, diversifizierte Palette zulässiger Beihilfen, also klassischer, sog. „kultureller“ Beihilfen, aber auch eher wirtschaftlicher und steuerbegünstigter Hilfen, muss weiterhin entwickelt werden.

Durch die Koexistenz dieser diversifizierten Systeme können nämlich kulturelle Produkte geschaffen werden, sie gestattet aber auch die Stärkung eines Industriesektors, die für das Fortbestehen des europäischen Kinos unerlässlich ist.

Im Rahmen der belgischen Präsidentschaft des Rates der Europäischen Union will Fadila Laanan « die gegenseitige Abhängigkeit zwischen audiovisuellem Schaffen und kultureller Industrie fördern ».

Wege für die Mitteilung zur Filmwirtschaft 2012

Die Ministerin Fadila Laanan machte sich zwei der wichtigsten Lehren dieses Kolloqiuums zu eigen, die sie bei ihren europäischen Kollegen und der Europäischen Kommission während dieser belgischen Ratspräsidentschaft weitergeben will.

Dieses Kolloquium hat deutlich gezeigt, dass die neue Mitteilung zur Filmwirtschaft 2012 im Gegensatz zu derjenigen aus 2001 die öffentlichen Beihilfen für alle Phasen der Filmschaffung und des Filmvertriebs (Drehbuch, Entwicklung, Produktion, Nachbereitung, Vertrieb, Nutzung, Förderung, Digitalisierung) und nicht nur die Beihilfen zur Produktion berücksichtigen muss.
Vor allem dürfen die Befürchtungen einer Wettbewerbsverzerrung zwischen den technischen Industrien der Mitgliedstaaten die Behörden nicht daran hindern, auch die wichtigen Etappen der Produktion eines Films sowie die Nachbereitung zu unterstützen.

Dieses Kolloquium zeigte außerdem die Notwendigkeit, auf europäischer Ebene einen an die verschiedenen Beihilfesysteme angepassten Ansatz zu haben, die heute nebeneinander bestehen und unserem Kino gestatten, sich ständig neu zu erfinden, unabhängig davon, ob diese Beihilfen kulturell, wirtschaftlich oder steuerlich ausgerichtet sind. Dabei muss man zugestehen, dass einige Filmfördersysteme das direkte Ziel verfolgen, kulturelle Werke zu schaffen, und andere auf die Entwicklung einer Wirtschaftsstruktur der Film- und Rundfunktwirtschaft abzielen.

Wenn diese beiden Aspekte berücksichtigt werden, kann die neue Mitteilung zur Filmwirtschaft im Jahr 2012 der Realität dieses Sektors Rechnung tragen und die kulturelle Vielfalt im europäischen Kino verteidigen.

Die Mobilisierung ist zur Konsolidierung der Filmförderung seitens der öffentlichen Institutionen, vor allem im belgischen Sektor der Filmwirtschaft, wichtig, und dieses Kolloquium hat gezeigt, dass es hierbei nicht allein ist.


Terms:

  • Fadila Laanan
  • Kino
  • Ministerin der Französischen Gemeinschaft für Kultur und audiovisuelle Medien
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