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Mister Europe: Paul-Henri Spaak

Wenn der Name Mister Europe fällt, denken Menschen heute häufig an junge, attraktive Männer, die sich um den Titel „attraktivster Mann Europas“ bewerben.
Dem ehemaligen belgischen Premierminister Paul-Henri Spaak fiel dieser Name bereits in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zu, wahrscheinlich als erstem. Attraktiv war er in der Tat, aber dann vor allem auf politischer Ebene. Spaak war nämlich einer der Grundleger der heutigen EU.

 

Paul-Henri Spaak, der ehemalige Premierminister Belgiens, ist als treibende Kraft hinter der europäischen Integration in den Geschichtsbüchern verewigt.
Noch vor dem eigentlichen Beginn der europäischen wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit glaube er bereits an ein europäisches Projekt. Spaak war Europa gut gesinnt und blickte weit über die Grenzen seines Landes hinaus.

Politischer Visionär

Sein politischer Ehrgeiz entstammte vor allem seiner Herkunft. Paul-Henri wuchs in einer politischen Familie auf: sein Großvater war Politiker und sein Cousin bekleidete kurzfristig den Posten des Premierministers. Zudem war die Mutter von Paul-Henri – Marie Janson – die erste weibliche Senatorin.

Er war auch ein begnadeter Redner, jemand, der die Menschen zum Zuhören bewegen konnte und der die Gabe der Überzeugung besaß. Talente, die Paul-Henri Spaak - in Kombination mit seinen Standpunkten über die europäische Zusammenarbeit – zu einem der großen Verfechter des europäischen Projektes machten.

Zusammenarbeit in der Kriegszeit

Während des Zweiten Weltkriegs war Spaak belgischer Außenminister. Gemeinsam mit dem Rest der Regierung befand er sich im Exil in London. Am europäischen Kontinent wütete ein heftiger Krieg, aber in London setzte sich Spaak gemeinsam mit seinen niederländischen und luxemburgischen Kollegen für ein gänzliches neues und herausforderndes Projekt ein. Im Jahr 1944 erhielt Benelux Form: Eine Zollunion zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Die Idee war einfach, aber beispiellos: innerhalb der Grenzen der drei Länder war ein freier Verkehr möglich und an den Außengrenzen handhabte man den gleichen Importtarif.

Eine neue Ära

Das Europa der Nachkriegszeit lag in Schutt und Asche, aber Spaak glaubte, dass eine wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit Europa erneut zu einem starken Kontinent machen würde. Der Krieg hatte nämlich bewiesen, dass gegenseitiges Bekämpfen keine Sieger hervorbringt.
Seine visionäre Gabe ermöglichte ihm, das Potenzial des verwüsteten Europas der Nachkriegszeit zu sehen.

1955 wurde er als Vorsitzender des Ausschusses der Regierungsabgeordneten angestellt, der den Vertrag von Rom (1957) ausarbeiten musste.
Gemeinsam mit Deutschland, Italien und Frankreich zimmerten die Beneluxländer am Vertrag, der an der Basis der europäischen wirtschaftlichen und politischen Integration liegt. Mit dem Vertrag von Rom entstand der Europäische Wirtschaftsraum, und ein Integrationsprozess, der noch immer im Gange ist.

Paul-Henri Spaak war ein bescheidener Mann aus einem kleinen Land, mit einer Ambition, die Landesgrenzen überstieg. Er war der Benjamin der Väter Europas, ein Mann, der vor allem an internationale Zusammenarbeit glaubte. Ein Glaube, der ihm auch hohe Funktionen in der NATO und den UN einbrachte.

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