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Expo SOS-planet: Ein Schrei um Aufmerksamkeit eines Planeten in Not

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©Foto Rat der Europäischen Union

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Die Stadt Lüttich trägt dieses Jahr den Titel: “Lüttich 2010: Weltklimastadt”. Und dieser Name ist nicht gestohlen, denn die Stadt wartet mit einer prachtvollen, aber konfrontierenden Ausstellung über den Klimawandel auf: SOS-Planet. Es wurden weder Kosten noch Mühe gescheut, um Jung und Alt einen stundenlangen, spannenden Streifzug durch die Geschichte unserer Erde zu bieten und ihnen die Auswirkungen des Menschen auf unseren Planeten bewusst zu machen. Nach drei Wochen haben bereits rund 12.000 Menschen SOS-Planet im Bahnhof von Lüttich besucht. Die Organisation spricht von einem gelungenen Start.

 

Atlas

Eine enorme Erdkugel mit der Aufschrift “SOS-planet” blickt vom erhöhten Perron unter dem erneuerten Bahnhofsgewölbe in Lüttich über den Bahnhofsplatz. Ihrem Schicksal überlassen, scheint sie zu warten, bis ihre Bewohner gemeinsam die Schultern unter ihren stetigen Verfall setzen. Aber die Passanten, die unter ihr durchgehen, scheinen sich wie Ameisen vorprogrammiert an die Tagesordnung zu halten, blind für den dunklen Schatten, der über ihren Köpfen hängt.

 

Mensch im Mittelpunkt

Der Klimawandel ist die wichtigste Herausforderung, mit der unser Planet heutzutage konfrontiert wird. Die Expo versucht, Bilanz über die aktuelle Situation zu ziehen, Lösungen zu finden und die Menschen für das Klima in der Zukunft zu sensibilisieren, und zwar indem sie den Mensch in vier Bereichen in den Mittelpunkt rückt: der Mensch nimmt wahr, der Mensch ist beunruhigt, der Mensch denkt nach und der Mensch handelt.

In diesem Szenario beginnt man an der Seitenlinie, aber je mehr man durch die verschiedenen Bereiche der Expo treibt, begreift man, dass man zum Protagonisten im Langspielfilm der aktuellen Klimastörungen verwandelt wird. Man versteht, dass der Wille unserer Gesellschaft, dieses Problem zu bewältigen, bei uns selbst beginnt.

 

Spektakuläre Dekors

Schon im ersten Raum der Ausstellung wird visuell der Standard gesetzt: ein Projektionssaal voller Flatscreens verwöhnt Sie mit prachtvollen Videos, die die Größe unseres Planeten darstellen, sowohl die Natur als auch die Zeichen der Zivilisation.

Die darauf folgenden dreidimensionalen Dekors sind verblüffend realistisch. So geht man beispielsweise durch einen Tunnel voll abfließendem Wasser, das gefriert, danach vorsichtig auf dem bewegenden Eis eines ausgetrockneten Flussbetts, bevor man die feuchte Umgebung eines nahezu ganz überschwemmten Hauses betritt. Dinge, die immer ganz weit weg passieren, erlebt man plötzlich ganz aus der Nähe.

In einem anderen Raum geht man quer durch einen Haufen chaotisch aneinander gezimmerter Bretter, im Stil des flämischen Konzeptkünstlers Arne Quinze. Hier und da hängen Flatscreens, die ständig Fernsehnachrichten aus der ganzen Welt aussenden, mit Bildern von Überschwemmungen, Hitzewellen, Waldbränden, extremen Regenfällen usw. Diese Bilder vor dem Hintergrund von verschlungenem Holz, Symbol für das Chaos der Zerstörung, haben einen überwältigenden Effekt.

 

From big bang to big mac

“Wenn sich die Geschichte der Erde in 1 Jahr abspielen würde, dann taucht der moderne Mensch erst am 31. Dezember um 23.59 Uhr auf. In der Geschichte der Erde nimmt der Mensch einen sehr kleinen Platz ein, aber er ist wohl das einzige Lebewesen, der das Klima durcheinander gebracht hat“. Dies liest man bei einem Kalender der Geschichte unserer Erdkugel, verkürzt auf nur ein Jahr. Diese Vereinfachung ermöglicht, das Wesen, die Geschwindigkeit und den Umfang und somit den Ernst des Klimaproblems besser zu verstehen.

Etwas weiter dient eine Wand als Schultafel voll Kreidezeichnungen, Zitaten und Illustrationen, schwanger von Ironie und Sarkasmus, über menschliche Verwirklichungen und deren Auswirkungen auf die Gegenwart: “From big bang to big mac” steht dort in weißer Kreide zu lesen … oder welche geschmacklose Kreation der Mensch nach „einer Minute“ schon hinter seinem Namen stehen hat.

 

Einen Besuch wert

Die Ausstellung lässt niemand unberührt. So denkt man nach dem Besuch doch zweimal nach, wenn man Wasser in einer Plastikflasche kauft, im Wissen, dass die Produktion, Verpackung und der Transport davon ein Viertel des Flascheninhalts erfordert.

Der Name der Expo ist zudem vielsagend. Ein Schrei um Aufmerksamkeit eines Planeten in Not. Ein Aufschrei, der hoffentlich weit reicht, so die Organisation, die mit großem Interesse rechnet. Und zu Recht, denn SOS-planet ist sicherlich einen Besuch wert!


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