Europäische Konferenz über die Geschichte der Jugendarbeit und -politik
Wir sind bestrebt ein Forum zu schaffen, in dem europäische Entscheidungsträger, Wissenschaftler und Menschen aus der Mitte der Gesellschaft einander begegnen können. Bei einer Debatte und verschiedenen Workshops können sie sich auf die historischen Dimensionen der Jugendarbeit und Jugendpolitik konzentrieren, ohne dabei die aktuelle Jugendpolitik aus den Augen zu verlieren. Außer den geographischen Unterschieden verfügen die anwesenden Vertreter auch über einen unterschiedlichen Hintergrund. So entsteht eine gegenseitige Inspiration, die die ideale Grundlage für den Ersten Europäischen Jugendarbeitskonvent (7. bis 10. Juli 2010) bildet.
Während dieser Konferenz in der historischen Stadt Ghent tauchen wir ein in die Geschichte der Jugendarbeit. Wir betrachten unterschiedliche Länder und vergleichen ihre Entwicklungen in Hinblick auf diedf Jugendarbeit. Wir untersuchen die Entstehung verschiedener Formen der Jugendarbeit weltweit und diskutieren, wie sie sich in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich weiterentwickelt haben. Wir beschäftigen uns mit der Geschichte der Jugendpolitik und Jugendforschung in Verbindung mit der Praxis der Jugendarbeit. Dabei gehen wir natürlich auch auf die Berichte früherer Mitwirkender in der Jugendarbeit ein.
Die Jugendarbeit beginnt dort, wo sich die jungen Menschen aufhalten. Möglicherweise ist es dieses Leitbild, das eine Art "Präsentismus" in der Praxis der Jugendarbeit vorzugeben scheint. Jugendarbeit konzentriert sich in hohem Maße auf das "Hier und Jetzt". Die Tatsache, dass die meisten Mitwirkenden nur einen kleinen Teil ihres Lebens in der Jugendarbeit verbringen, verstärkt diesen Blickpunkt.
Nichtsdestotrotz ist die Kenntnis, wo wir herkommen, zweifellos ein wichtiger Aspekt unserer Identität. Die enorme Differenzierung und Vielfalt in der Praxis der Jugendarbeit scheint bisweilen eine Identitätskrise zu schaffen. Welche gemeinsamen Merkmale können über diese enorme methodische Differenzierung und diese große Vielfalt in den Ausprägungen und Formen der Jugendarbeit hinaus erkannt werden? Eine schwache Identität macht es schwierig, unser Profil und unsere Position in der Gesellschaft zu verteidigen und eine jugendfreundlichere Gesellschaft zu schaffen. Jugendarbeiter monieren, dass sie zunehmend von Politikern instrumentalisiert werden, weil sie aufgefordert werden, Dinge zu tun, die einigen Ihrer Grundsätze der Jugendarbeit widersprechen. Jugendarbeiter fordern mehr soziale Anerkennung. Politiker dagegen stellen (kritische, aber nachvollziehbare) Fragen über die Ziele und Verfahren der Jugendarbeit, die als unsystematisch, unvorhersehbar und ungenau wahrgenommen werden.
Im Laufe der Jahre hat der Sektor der Jugendarbeit eine große Sammlung an besten bekannten Verfahrensweisen ("Best Practices") zusammengetragen. Manchmal strukturieren sie unsere Aktivitäten, ohne erkennbar zu sein oder gefordert zu werden. Aus diesem Grund ist es gut zu wissen, wo wir herkommen. Wie haben sich die Grundlagen der Jugendarbeit im Laufe der Geschichte weiterentwickelt? Welche Ansichten wurden über Bord geworden, und warum? Welche Strategien wurden bereits zuvor ausprobiert oder werden immer wieder aufgegriffen und als völlig neu vorgestellt?
In mehreren Gastvorträgen ebenso wie in den Einführungen von Arbeitsgruppen gehen wir auf diese verschiedenen Themen ein. Der Schwerpunkt liegt auf Diskussionen mit allen Teilnehmern, die eine Mischung aus Forschern, Politikern und Praktikern bilden.
Die Geschichtskonferenz läuft vom 5. bis zum 7. Juli und bildet den idealen Einstieg zur ersten Jugendarbeitskonvention später in dieser Woche (7.-10. Juli).