1. Das Schreckgespenst des Krieges (1945-1950)

Nach dem zweiten Weltkrieg stehen die Europäer vor einer wichtigen Frage. Wie können Friede und Wohlstand des alten Kontinents gesichert und das Auftreten eines vergleichbaren erneuten Konflikts vermieden werden? Unter den politischen Führern und Intellektuellen werden zahlreiche Stimmen laut, die eindringlich darauf hinweisen, dass für die Europäer die Zeit gekommen ist, nun endgültig den Weg der Einheit zu beschreiten.
2. Die Geburt des Europas der Sechs (1950-1958)

Die politischen Führer in Europa beschließen, auf dem Weg über die europäische Zusammenarbeit zur europäischen Einheit zu gelangen. Sie sind sich dessen bewusst, dass ein Zusammenschluss der Völker Europas nicht wie durch Zauberhand geschehen wird. Vielmehr muss schrittweise vorgegangen werden, und man muss sich auf der Basis gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen zusammenschließen. Aus diesem Grund beschließen die sechs Gründerstaaten des europäischen Projekts (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande) zunächst ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenzuführen, um diese Zusammenarbeit dann schrittweise auf die gesamte Volkswirtschaft auszuweiten.
3. Laufen lernen heißt auch Hinfallen (1958-1986)

In kleinen Schritten werden die Grundlagen der europäischen Integration geschaffen. Wie von den Gründervätern beabsichtigt, reihen sich immer mehr Sektoren in die Zusammenarbeit ein. Aber kann sich diese Vereinigung reibungslos gestalten? Welche Richtung soll man dieser Integrationsbewegung geben? Welche Verfahren sollen eingeschlagen werden? Alles Fragen, die die europäischen Staaten noch voneinander trennen …
4. Wachsen bedeutet, sich anpassen zu lernen (1986- 2010)

Nach einer über dreißig Jahre andauernden Entwicklung ist es nun an der Zeit, dass die politischen Führer in Europa der europäischen Vereinigung eine politische Dimension geben. Europa muss sein Gesicht ändern und Platz für ein umfassenderes System machen. Immer mehr Bewerberländer drängen sich an den Pforten der EWG, dann der EG und schließlich der EU. Die Europäische (Wirtschafts-)Gemeinschaft wird nach und nach zu einer immer größeren und tiefgreifenderen Union mit derzeit 27 Mitgliedstaaten. Deshalb bedarf das ursprünglich eingerichtete institutionelle System einer tiefgreifenden Reform. Es folgen zahlreiche Verträge, die dieses Ziel verfolgen. Zwei davon stellen echte Wendepunkte im europäischen Aufbau dar: der Vertrag von Maastricht (1992) und der Vertrag von Lissabon, der am 1. Dezember 2009 in Kraft getreten ist.
5. Was für ein langer Weg, der innerhalb von weniger als einem Jahrhundert zurückgelegt wurde!
Und so sieht die aktuelle Situation der Europäischen Union aus: Wir sind 27 Mitgliedstaaten, wir zahlen unser Essen in Finnland in Euro, wir reisen von einem Land ins andere, ohne an der Grenze kontrolliert zu werden, und wenn eine Region in Europa von Überschwemmungen heimgesucht wird, bieten die anderen Mitgliedstaaten finanzielle Hilfe für den Wiederaufbau an.